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Westfalen Blatt 9. August 2005

Ein märchenhaftes Ende mit Prinz und Kuss
Schlosstheater-Ensemble feiert in Stahle gelungene "Schneewittchen"-Premiere

Stahle (WB) von Verena Zimmermann

Stahle: "Ach hätt' ich nur ein Kind so rot wie Blut, so weiß wie Schnee und so schwarz wie Ebenholz", lautet der Wunsch der Königin im Märchen "Schneewittchen". Dieses feierte am Sonntag unter der Regie von Barbara Mihm und Georg Luibl in einer modernen Fassung auf der Freilichtbühne Stahle eine gelungene Premiere.

Detlev Mihm hatte die neue Fassung des Klassikers geschrieben und Renate Meise schuf die passende Musik - rundherum eine hervorragende Kombination, die bestens unterhielt. Das Stück setzt nach dem Tod der Königin ein. Der König (Reinhard Göhmann) feiert Vermählung mit seiner neuen hartherzigen Königin (Carina Sandner). Der ganze Lebensinhalt der Königin beschränkt sich darauf, sich im Spiegel zu bewundern. "Was tun mir die Leute leid, die nicht so schön sind wie ich", lautet ihr Urteil, bevor sie ihr Lied anstimmt und den Spiegel nach seiner Meinung fragt. Hierbei stellt die Schauspielerin ihre stimmlichen Qualitäten eindrucksvoll unter Beiweis. Der Spiegel bekräftigt stets brav und ebenfalls singend: "Frau Königin, Sie sind die Schönste!" Das ausgefeilte Mimikspiel des Spiegel-Darstellers Olav Birkoben verrät aber seine Abneigung. Schneewittchen wächst zu einer schönen Frau heran, so dass der Spiegel sicher ist: "Oje, jetzt gibt´s Stunk!" Er verkündet der Königin schadenfroh: "Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr." Rasend vor Wut entschließt sich die Königin dazu, das Kind von dem Jäger (Alfred Tschunkert) töten zu lassen. Doch der bringt den Mord nicht übers Herz und lässt Schneewittchen (Anna Brückner) allein im Wald zurück, wo es gekonnt einen musikalischen Dialog führt. Schließlich gelangt das Kind zum Zwergenhaus. Der erste Auftritt der Zwerge ist beeindruckend: Alle sieben singen in einer Polonäse ein Lied von ihrem wohl verdienten Feierabend. Schneewittchen schließen sie übrigens schnell in ihr Herz. Die sieben Zipfelmützen-Träger begeistern die Zuschauer durch ihr Zusammenspiel von Gestik und Mimik und bescherten den Besuchern Lachtränen in den Augen. Als die Königin erfährt, dass Schneewittchen noch lebt, versucht sie, ihre Stieftochter umzubringen, was jedoch scheitert. Mit großartiger schauspielerischer Leistung stellt die Darstellerin die Wut der Königin dar - wie das gesamt Stück stets gewürzt mit einer Prise Ironie und Humor. Ein vergifteter Apfel wird Schneewittchen zum Verhängnis. In einer eindrucksvollen Trauerprozession mit gläsernem Sarg beweinen die Zwerge Schneewittchen. Fasziniert von der Schönheit möchte ein Prinz (Marc Blomberg) Schneewittchen mit auf sein Schloss nehmen. Versehentlich lassen die Zwerge beim Transport den Sarg fallen - Schneewittchen erwacht zum Leben. Besiegelt wird das glückliche Ende wie im Märchen üblich durch einen Kuss zwischen Schneewittchen und ihrem Prinzen. Auch die böse Königin erhält ihre Strafe: Sie wird dazu verdammt, Tag für Tag 1800 Quadratmeter Parkettboden zu wischen. Im Freudentaumel zeigen die Zwerge in ihrem mitreißenden Zipfelmüten-Boogie-Woogie ihr ganzes musikalisches Können. Die Zuschauer honorierten die Aufführung, die durch viele humorvolle Einfälle glänzte, mit viel Applaus. Besonders die Lieder der Königin und das Zwergen-Lied animierten zum Mitklatschen und sorgten für manch im Takt wippenden Fuß. Doch letztendlich war es die Gesamtleistung des Ensembles, die überzeugte.
  
  

 
 
Schlosstheater im Dreiländereck