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Täglicher Anzeiger Holzminden 29.10.2012

Don´t worry, be happy: Die schrillen 80er als musikalischer Marathon
80er-Jahre-Revue des Schlosstheaters Fürstenberg feiert Premiere vor vollem Haus

Fürstenberg (pd): Die Hand malt ein großes Herz in die Luft, um sich anschließend beherzt in den vorgewölbten Schritt zu fassen, bevor die Beine anfangen zu schwingen: "Verliebte Jungs" halt, die da choreographisch mit einem Agenzwinkern Lust und Lebensfreude der 80er auf dei Bühne zauberten. Das Schlosstheater lässt in seiner neuen Revue Musik, Mode und Medien der 80er Jahre hochleben, oder besser hochnehmen, denn selbst, wer die Zeit romantisch verklärt gesehen hat, wird nach der Show dann doch irgendwie froh sein, das alles nur noch musikalisch glänzend aufbereitet miterlebt zu haben. 360 Premierengäste im Fürstenberger Schloss durften das, konnten sich dabei köstlich amüsieren und in Erinnerungen schwelgen, um dann - Gott sei Dank - am Ende wieder in die Gegenwart zurückzukehren.

"Völlig losgelöst - Im Sauseschritt durch die 80er" hatten Bärbel Mihm und ihre Theatertruppe ihre Revue genannt, und in der Tat war es ein fast dreistündiger Marathonlauf durch die Zeit des VoKuHiLa (vorne kurz, hinten lang) bei den Herren und den hochtoupierten Dauerwellenbergen bei den Damen. Mochte man sich anfangs noch darüber wundern, dass die Neue Deutsche Welle, die jemanden, der das bunte Jahrzehnt bewusst miterlebt hat, musikalisch ja sofort in Erinnerung springt, nur als ein kurzes Medley abgehandelt schien, so wurde im weitern Verlauf der Show schnell klar, warum für Markus und Co. nur so wenig Zeit eingeräumt werden konnte. Zu schrill, laut, wild und manchmal auch ganz schön gruselig waren die 80er, in denen in Deutschland die Schlagergrößen wie Roger Whittaker, Howard Carpnedale und Roland Kaiser genauso ihren Platz hatten wie Herbert Grönemeyer, Nena, Heinz Rudolf Kunze oder eben Purple Schulz. Das Schlosstheater-Ensemble wollte nichts weglassen, reiht Hit an Hit mit ständig wechselnden Kostümen und genauso abwechslungsreicher wie gekonnter Choreographie, so dass auch Stevie Wonder, Phil Collins, die Eurythmics, Ultravox und viele viele andere Vertreter des internationalen Pophimmels zu ihrem Recht kommen. Präsentiert wird das alles von einer zwölfköpfigen Tanz- und Gesangstruppe, deren Mitglieder die 80er selbst allenfalls als Kleinkind oder Pubertierende zur Kenntnis nehmen durften und deshalb wohl auch mit einer gehörigen Portion Ironie die Zeit der türkis-lilafarbenen Ballonseidekombinationen und der neonpinken Leggings feiern kann. Kein Wunder deshalb auch, dass sich der eine oder andere kleine historische Schnitzer in die humorvollen Konnentare von Conferecier und Gegisseur Wulf Dominicus einschleicht, denn in den 80er hatte das Tastentelefon schon erfolgreich die Wahlscheibe abgelöst, und auch die ab 1984 ums Privatfernsehen erweiterte TV-Programmauswahl ließ deutlich mehr, wenn auch nicht Besseres zu als die vom Ensemble witzig parodierten Fernsehleibesübungen aus "Telegym und Airobic". Aber sei´s drum, die 80er waren das Jahrzehnt des beginnenden Idiologieverfalls, in dem alles irgendwie anfing, erlaubt zu sein. "Don´t worry, be happy" sang A-Cappella-Ikone Bobby McFerrin 1988 locker zeitgemäß sanft, ein herausragend vom Schlosstheater-Ensemble interpretierter Titel, der in der Revue ganz selbstverständlich seinen Platz einnehmen muss. Man merkt allen Mitwirkenden dabei den Spaß an, den sie während der gesamten Aufführung haben, eine Begeisterung, die einfach jeden anstecken muss.

Wer übrigens noch keine Karten für die noch folgenden 27 Aufführungen ergattern konnte, der bracht sich gar nicht weiter zu bemühen: Alles ausverkauft, melden die Veranstalter. Da hilft nur, beim nächsten Mal schon frühzeitig die alten "Telegym" - Videos herauszukramen und sich fit für den Spurt an die Vorkverkaufskassen zu halten.

  
  

 
 
Schlosstheater im Dreiländereck